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 Der 1969 Dual Compressor Mercenary Edition ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Ivor Drawmer und Fletcher von Mercenary Audio - ein Gerät, das man gerne als Einziges auf eine verlassene Insel mitnimmt. Natürlich kann man auch ganz gut mit dem Original Drawmer 1960 überleben, auf dem der 1969 basiert, denn der 1960 Dual Compressor ist in den besten Studios weltweit zu finden und wird von vielen Recording Artists wegen seines unnachahmlichen Sound geschätzt.
Der 1969 ist möglicherweise der Beginn eines Trends, beliebte Studiogeräte als "Boutique" Version aufzulegen, bei der das Original Design verändert, erweitert und optimiert wird, um den speziellen Anforderungen und Vorlieben bedeutenden Persönlichkeiten der Musik- und Audio Industrie entgegenzukommen.
Wie schon der 1960 ist auch der 1969 ein 2-Kanal Kompressor mit zwei Mikrofon-Vorverstärkern und einem Auxiliary Eingang in Röhrentechnik. Das Gerät nimmt 2HE im Rack ein und besitzt ein roadtaugliches Gehäuse aus Stahlblech. Alle Drehregler und Schalter arbeiten präzise und knackig; die beiden VU Pegelmesser sind mit gelben LEDs beleuchtet - kein Lampenwechsel notwendig. Die Bypass Schaltung geschieht über Relais mit versilberten Kontakten - langlebig und sicher. Die von Fletcher überarbeiteten Sektionen - Mic Preamp und Kompressor - sind leicht zu erkennen: anstatt der herkömmlichen weißen Beschriftung von Drawmer trägt die Bedienoberfläche einen gelben Siebdruck. Wie schon beim 1960 kann der Instrument-Eingang entweder auf einen der beiden Kanäle oder auch auf beide geschaltet werden und erlaubt damit einige interessante parallele Processing Möglichkeiten.
Features & FunktionenDie Aux Input Sektion basiert auf einer Röhrenstufe mit 12AX7 bzw. ECC83 Doppeltriode und entspricht einem Gitarre/Bass Preamp mit den üblichen Einstellelementen. Tatsächlich bringt diese Sektion ein Klangbild wie ein typischer Guitar Amp und kann auch die gleichen Overdrive Effekte erzeugen. Die 1/4" Klinkenbuchse hat eine Eingangsimpedanz von 2,2Mohm; sie bietet bis zu 30dB Verstärkung im Low Gain Mode und bis zu 40dB in der High Gain Schalterposition. Mit dem EQ Schalter wird eine einfache Klangregelung mit Bässen und Höhen in den Signalweg geschaltet, die ebenfalls wie bei einem Gitarreverstärker nur als Anhebung arbeitet - bis zu +15dB bei 40Hz und +18dB bei 16kHz. Mit dem Norm/Bright Schalter wird ein relativ breiter Bereich bei 2kHz um 10dB angehoben. Diese Sektion blieb gegenüber dem Original 1960 unverändert.
Was den 1969 wirklich vom 1960 unterscheidet, ist die 2-Kanal Mic Preamp Sektion. Beide Kanäle sind identisch aufgebaut und verwenden Burr-Brown INA 103 Operationsverstärker; die maximale Verstärkung wurde auf 66dB angehoben. Es gibt keine Eingangsübertrager: Drawmer hat sich entschieden, die Eingänge hochohmig auszulegen, d.h. es sind nur geringe oder keine Lasteffekte bei niederohmigen Mikrofonen zu erwarten. Die Mikrofonverstärkung wird nun mit einem gerasteten Drehschalter in 6dB-Schritten eingestellt; eine Clip LED zeigt allfällige Übersteuerungen der Eingangsstufe an.
Wie schon der 1960 hat auch der 1969 sowohl Line- als auch XLR Eingänge an der Rückseite, wobei die Eingangssignale für die beiden Kompressoren mit Drehschaltern gewählt werden - Line, Mic, Mic mit Phantomspeisung oder Aux. Zusätzlich gibt es jetzt einen Phasenumkehrschalter mit LED Anzeige. Vom 1960 wurde auch der Original Hochpassfilter vor dem Kompressor beibehalten, der auf 50Hz, 100Hz oder ausgeschaltet werden kann.
Einen großen Unterschied gibt es auch am Eingang des Kompressors: der 1960 verwendet eine Röhrenstufe, beim 1969 kommt eine J-FET (Feldeffekt-Transistor) Schaltung zum Einsatz, die wesentlich schneller als jeder "optische" Verstärkungsregler arbeitet. Im Kompressor selbst wird der Pegel mit einer 12AX7 Röhrenstufe aufgeholt; die zusätzliche Verstärkung ist mit dem Output Gain Regler bis zu +20dB einstellbar. Weiters gibt es keine Ratio Einstellung, da der Kompressor nach dem Soft Knee Prinzip arbeitet, bei dem der Kompressoreinsatz progressiv wirkt. Beim 1960 gab es 3 vorwählbare Attack- und 6 Release Zeiten; der 1969 bietet nun 6 vorwählbare Attack Zeiten (2, 9, 15, 25, 30 und 50ms). Die Release Zeiten sind entweder fix vorwählbar (100ms, 500ms oder 1s) oder werden programmabhängig und automatisch gesteuert (200ms-2s, 500ms-5s oder 1-10s). Für die zweite Möglichkeit ging Fletcher von den Zeitkonstanten des berühmten Fairchild 670 aus und modifizierte sie nach seinen persönlichen Vorlieben.
Die Ausgänge der Kanäle 1 und 2 werden mit zwei herkömmlichen VU Zeigermessgeräten überwacht, die entweder auf das Ausgangssignal selbst oder auf die Gain Reduction (Kompressionsstärke) umschaltbar sind. Ein Ausgangswahlschalter mit 3 Positionen wählt normalen Kompressor-Ausgang, harten Bypass oder Abhören der Sidechain (Regelschleife). Drawmer bietet beim 1969 vollen Zugriff auf die Sidechain und einen separaten Insert Weg pro Kanal, in den z.B. ein externer Equaliser für Vocal Stressing oder De-essing eingeschliffen werden kann. Für das Einschleifen von externen Effekten und Processing stehen zwei Klinkenbuchsen pro Kanal zur Verfügung: der Insert Send mit +4dBu Pegel wird nach dem Hochpassfilter und vor dem Kompressor abgegriffen; das Insert Return Signal mit -10dBu wird direkt in den Kompressor geschickt. Der auf den ersten Blick ungewöhnlich niedrige Insert Return Pegel bietet einige Vorteile, wenn semi-professionelle Geräte, wie Boden-Effektpedale, etc. verwendet werden. Sowohl Sidechain als auch Insert haben keine Bypass Schaltmöglichkeit - eingeschliffene Geräte sind also immer im Signalweg vorhanden.
Abgesehen vom Stereobetrieb mit Line- oder Mic Processing kann der 1969 auch als echtes 2-Kanal Gerät arbeiten, z.B. Kanal 1 als Kompressor für eine Bandspur mit Line Pegel, und Kanal 2 mit einem Mikrofonsignal. Im Stereo Link Mode werden beide Kanäle mit den Einstellreglern des Kanal 1 gesteuert. Es stehen zwei Link Modes zur Verfügung: normaler Stereo Link und Big Mode. Letzterer arbeitet wie der normale Stereo Link, jedoch wird dabei ein Hochpass-Filter in den Sidechain Weg geschaltet, damit tiefe Frequenzen unterhalb von 100Hz das restliche Programm nicht beeinflussen. Damit kann mehr Kompression auf einem Gesamtmix eingesetzt und der durch Kick Drum oder Bass Instrumente hervorgerufene Pumpeffekt reduziert werden.
Im StudioDie Mikrofon-Vorverstärker sind mit Sicherheit besser als in den meisten Mischpulten - selbst solche mit diskret aufgebauten Mic Preamps. Jede Menge an Verstärkung und kein Rauschen oder andere Störgeräusche. Obwohl die schaltbare Verstärkung ihre Vorteile hat (Wiederherstellung der Einstellungen), sind die 6dB-Schritte doch manchmal zu grob, und es gibt keine Feinregelung. Natürlich kann man den Ausgangspegel wie gewünscht einstellen.
Mit dem Instrumenteneingang habe ich den 1969 am besten mit direkter Gitarre empfunden, knapp gefolgt von Keyboards. Die Gain Regelung bietet genug "Drive" für jedes beliebige Instrument. Ich würde mir nur einen zusätzlichen Pegelregler vor dem Kompressor wünschen, um mehr Signal in den Kompressor schicken zu können, denn die einzige Möglichkeit dazu ist, den Gain Regler in der Preamp Sektion aufzudrehen; dadurch entsteht aber wieder mehr Overdrive. Nachdem ich die richtige Menge an Distortion im Vorverstärker gefunden hatte und den Kompressor Threshold verringerte, um die richtige Kompressionsstärke zu erhalten, musste ich einigermaßen viel Pegel am Ausgang aufholen, um mein 24-bit ProTools richtig auszusteuern.
Beim Komprimieren eines kompletten Stereo Mix gefiel mir der 1969 Sound. Angenehm und sauber - selbst wenn die Mischung ordentlich komprimiert wird. Der Big Mode Schalter ist optimal für basslastige Mixes ohne Bass Pumpeffekt; dabei ertappte ich mich, dass ich mehr Kompression als normal verwendete. Das Ergebnis ist einfach großartig. Bei größeren Kompressionsstärken gewinnen die unterschiedlichen Attack- und Release Einstellungen an Bedeutung. Es zahlt sich aus, damit zu experimentieren, bis ein optimales Ergebnis je nach Musikcharakter erreicht ist. Drawmer 1969 Mercenary Edition - ein vielseitiges Recording Werkzeug mit einem außergewöhnlichen Stereo Kompressor, der so gut wie immer eingesetzt werden kann.
Features 1969 Mercenary Edition
2 Mic/Line PreAmps mit variable Gain, 48V Phantomspeisung, Hi-Pass Filter und Phase Reverse
Instrumenten-Röhren Preamp mit variabler Gain, EQ, Phase Reverse und Brightness Boost
2 Soft-Knee Kompressoren mit einstellbarem Treshold, Attack, Release und Output Gain
True Stereo-Link mit BIG-Modus für extra LowEnd
Side Chain-Insert und Side Chain-Abhörmöglichkeit
VU-Metering von Gain Reduciotn und Ausgangspegel
Symmetrische +4db XLR Ein- und Ausgänge (+4 dB)
19/2HE
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